Veranstaltungen

Esoterik und Antisemitismus – Vortrag von Ansgar Martins

Esoterik und Antisemitismus sind wandelbare und in sich paradoxe Phänomene. Gemeinsam ist ihnen, dass sie in guter Gesellschaft als anstößig und abergläubisch gelten, während sie zugleich in genau dieser Gesellschaft zutiefst verankert sind. Esoterische Sinnsuche wie antisemitische Feindbestimmung mögen als archaisch und irrational erscheinen, es handelt sich aber um zutiefst moderne Phänomene. Sie müssen historisch, sozialpsychologisch und philosophisch auf ihre Eigenlogik hin untersucht werden, statt sie als bloßes Vorurteil – als Mangel an Information – abzutun.

Der Vortrag soll an ausgewählten Beispielen untersuchen, wie sich die esoterische Vorstellung von „höherem Wissen“ und die antisemitische Projektion zur Kippfigur zusammenfügen lassen: Bei vielen einschlägigen Autorinnen und Autoren stößt man auf ein jüdisch codiertes „egoistisches“ oder „materialistisches“ „Prinzip“, das „überwunden“ werden müsse, bevor die spirituelle Harmonie des Alls wiedererlangt werden könne. Besonders seit dem Ersten Weltkrieg finden Esoterik und Antisemitismus im verschwörungsideologischen Gerücht über finstere Mächte und Logen zusammen, die die Weltpolitik manipulieren.

Auch der „Reichsbürger“ unserer Tage erlebt die politisch-ökonomische Gegenwart („BRD-GmbH“) als Besetzung und Einkreisung in mehr oder minder explizit antisemitischen Sinne. Er versucht sich durch Zauberdokumente individuell immun zu machen: Pässe für Phantasiestaaten, die ihren Träger nicht zufällig gerade als „lebendigen, beseelten Menschen“ (o.ä.) ausweisen. Hier geht die esoterische Suche nach Überwindung des Niedrigen und Äußerlichen zugunsten des „wahren“ Selbst ganz praktisch mit Formen paranoider Politik zusammen. Märchen über die „okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus“ oder die Satanismus-Hysterie achtziger und neunziger Jahre zeigen aber auch, dass Esoterik selbst vielfach zur Projektionsfläche von und zum Vorwand für verschwörungsideologische und antisemitische Gerüchte wird.

Ansgar Martins ist derzeit Doktorand an der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

15. März 2018 – 19.00 – 20.00 Uhr – DGB-Haus München – Raum TU07 – Schwanthalerstraße 64 – Eintritt frei, aber über Spenden freut sich jeder!

 

 

 

Was ist Antisemitismus? – Vortrag von und Diskussion mit Klaus Holz

Gegenwärtig steht einmal mehr der islamistische Antisemitismus und die Gewalt gegen Jüdinnen*Juden im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit – als wäre Antisemitismus ein Problem der Anderen, als wäre Antisemitismus erst in seinen gewalttätigen Konsequenzen skandalös. Tatsächlich aber ist der Antisemitismus tief in die Geschichte und Kultur der europäischen Gesellschaften als eine diese prägende ideologische Praxis eingeschrieben. Der Vortrag wird grundlegende Muster der antisemitischen Feindschaft vor und nach der Shoah, in religiösem wie säkularem Gewand herausarbeiten. Die diversen Spielarten des Antisemitismus haben einen gemeinsamen Kernbestand: Das antisemitische Judenbild dient der Profilierung eines kollektiven Selbstbildes, in dessen Zentrum Arbeit, Moral, Identität und Gemeinschaft einer imaginierten Wir-Gruppe stehen. Dabei wird sich auch zeigen, dass die rassistische Abwehr der „Fremden“ einen anderen Sinn birgt als die Abwehr des „jüdischen“ Geldes und Geistes.

Beginn 19.00 Uhr
Eintritt frei, Spenden gerne
Janusz-Korczak-Haus München, Sonnenstraße 8

Facebook: https://www.facebook.com/events/1976969179211747/

Teilnahme nur bei Anmeldung mit Vor- und Nachnamen möglich unter: anmeldung@ejka.org oder 089 3794 6640 oder hier auf Facebook per Zusage mit Klarnamen.

 

 

Heuschrecken, Gier und Weltverschwörung: Regressiver Antikapitalismus und das antisemitische Ressentiment

Nach unserer Gründnung vor ein paar Wochen laden wir euch zum ersten Vortrag des Bündnisses ein, unter dem Titel: „Heuschrecken, Gier und Weltverschwörung – Regressiver Antikapitalismus und das antisemitische Ressentiment“. Gehalten von Lothar Galow-Bergemann.

Je länger die weltweite ökonomische Krise dauert, desto beliebter sind einfache Erklärungen. Geht es gegen Banken und „die Finanzmärkte“, sind sich fast alle einig: Parteipolitiker, Gewerkschaften, Linke, Rechte, diverse Verschwörungsphantasten und wer sonst alles in Krisenzeiten das Wort ergreift. Alle miteinander halten sie “die Gierigen, die den Hals nicht voll genug kriegen” für die Verursacher der Krise. Auch manch vermeintlich radikaleR KapitalismuskritikerIn findet sich da in trauter Eintracht mit Finanzminister, Fernseher und Frau Meier wieder. Wenn es gegen die „Zirkulationssphäre“ geht, entstehen sonderbar anmutende Schulterschlüsse. Ein ebenso verbreiteter wie unreflektierter Bauch-Antikapitalismus verwechselt Gesellschaftskritik mit Wut auf „die da oben“, „Lügenpack“ und „Lügenpresse“.

Die Nationalsozialisten setzten „die Gierigen“ mit „den Juden“ gleich. Doch auch wer das nicht tut, kann sich in einer gefährlichen Nähe zum Antisemitismus befinden, ohne sich darüber im Klaren zu sein. Die Aufspaltung des kapitalistischen Prinzips in „produktives Kapital“ auf der einen und „das Finanzkapital“ auf der anderen Seite leistet einer Dämonisierung des Finanzsektors Vorschub, die letztlich auf antisemitische Stereotype zurückgreift. Blind dafür, was der Wahn vom “Kampf der ehrlich Arbeitenden” gegen die “Gierigen, die die Völker aussaugen” schon einmal angerichtet hat, sehnen sich viele nach einfachen Antworten. Das macht sie anfällig für allerlei Demagogisches und Autoritäres – ein auffälliger Kontrast zum allgegenwärtigen deutschen Credo, man habe aus der Geschichte gelernt.

Der Vortrag beleuchtet oberflächlichen und personalisierenden Antikapitalismus und behandelt Grundzüge einer reflektierten Kapitalismuskritik, die der Referent für dringend notwendig hält.

Lothar Galow-Bergemann war freigestellter Personalrat in zwei Großkliniken. Heute schreibt er u.a. in konkret, Jungle World und auf emafrie.de.

Für die Veranstaltung gilt folgender Einlassvorbehalt: „Die Veranstaltenden behalten sich gemäß Art. 10 Abs. 1 BayVersG vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtenden Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zuritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

29. November 2017 – DGB-Haus München -Raum TU07 – Schwanthalerstraße 64

 

search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close