Veranstaltungen

Antisemitismuskritik vs. Rassismuskritik? Über Ideologiekritik im Spannungsfeld von islamischem Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus – Vortrag von Floris Biskamp

Nicht nur in der Linken besteht ein weitgehender Konsens darüber, dass sowohl Rassismus als auch Antisemitismus abzulehnen sind. Geht es um konkrete Gegenstände prallen Antisemitismuskritik und Rassismuskritik jedoch immer wieder aufeinander und geraten in politischen Konflikt. Dies gilt insbesondere, wenn es um Antisemitismus in islamischen Kontexten oder um den Nahostkonflikt geht. In ersterem Fall warnen viele Antisemitismuskritiker_innen vor einem „neuen Antisemitismus“ islamischer Prägung, während viele Rassismuskritiker_innen in solchen Warnungen selbst eine rassistische Zuschreibung sehen. Im Nahostkonflikt sehen viele Antisemitismuskritiker_innen den Überlebenskampf des Staates der Shoah-Überlebenden gegen antisemitische Feinde, während viele Rassismuskritiker_innen Kontinuitätslinien zu rassistischer Kolonialherrschaft ziehen. Im Vortrag wird es darum gehen, diese Konflikte zu rekonstruieren, sie in Beziehung zur theoretischen Rahmung zu bringen, die in Antisemitismuskritik und Rassismuskritik jeweils vorherrscht, und abschließend einen Vorschlag der Vermittlung zwischen beiden Positionen zu machen.

Floris Biskamp ist Politikwissenschaftler und Soziologe und arbeitet derzeit als Koordinator des Promotionskollegs „Rechtspopulistische Sozialpolitik und exkludierende Solidarität“ an der Universität Tübingen. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen politische Theorie, Gesellschaftstheorie, politische Ökonomie, Religionspolitik, Populismusforschung und Rassismusforschung. Zuletzt erschienen seine Dissertationsschrift „Orientalismus und demokratische Öffentlichkeit. Antimuslimischer Rassismus aus der Perspektive von postkolonialer und neuerer kritischer Theorie“ (transcript 2016) sowie der von ihm herausgegebene Sammelband „Ruck nach rechts? Rechtspopulismus, Rechtsextremismus und die Frage nach Gegenstrategien“ (Barbara Budrich 2017).

  1. Oktober 2018 – DGB-Haus München – Raum TU07 – Schwanthalerstraße 64 – Eintritt frei, aber über Spenden freut sich jeder!

Für die Veranstaltung gilt folgender Einlassvorbehalt: „Die Veranstaltenden behalten sich gemäß Art. 10 Abs. 1 BayVersG vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtenden Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zuritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

 

Boykott des Friedens – Vortrag zur Aktualität der Israelboykottkampagne BDS mit Sebastian Mohr

Der im Juli 2005 erfolgte „Aufruf der palästinensischen Zivilgesellschaft zu Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“ gilt als zentraler Referenzpunkt für die derzeit wohl weltweit aktivste anti-israelische Kampagne. Die dort festgeschriebenen zentralen Forderungen bedrohen in ihrer Konsequenz die Existenz des jüdischen Staates. BDS wirbt für umfassende akademische, kulturelle und wirtschaftliche Boykotte, sowie für eine politische Isolation Israels. Im Zusammenhang mit BDS-Aktionen kommt es immer wieder auch zur Gewalt gegen politische Gegner*innen.
Sebastian Mohr wird in seinem Vortrag die Entstehung und Strategien der BDS Kampagne beleuchten und einen Überblick über die vermehrten BDS Aktivitäten im deutschsprachigen Raum geben. Schließlich soll der Frage nachgegangen werden, weshalb eine auf hetzerische Rhetorik setzende Bewegung in Europa vor allem im linken politischen und zivilgesellschaftlichen Spektrum ihre größten Erfolge erzielen kann

  1. September 2018 – DGB-Haus München – Raum TU07 – Schwanthalerstraße 64 – Eine gemeinsame Veranstaltung des Linken Bündnisses gegen Antisemitismus München, des Jungen Forums der DIG München und der Europäischen Janusz-Korczak-Akademie – Eintritt frei, aber über Spenden freut sich jeder!

Für die Veranstaltung gilt folgender Einlassvorbehalt: „Die Veranstaltenden behalten sich gemäß Art. 10 Abs. 1 BayVersG vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtenden Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zuritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

 

Der antisemitische Wahn – Vortrag von und Diskussion mit Rolf Pohl

Am 13. Juni findet in Kooperation mit München ist Bunt! e.V. der nächste Vortrag unserer Veranstaltungsreihe statt:

Am vergangenen ungarischen Nationalfeiertag schwor Viktor Orbán sein Publikum auf den gemeinsamen Feind des Volkes ein. Dessen vermeintlichen Widersachern schrieb er dabei Eigenschaften zu, welche in antisemitischen Verschwörungstheorien als spezifisch jüdisch vorgestellt werden. So seien diese „nicht national, sondern international; sie glauben nicht an die Arbeit, sondern spekulieren mit Geld; Sie haben kein Heimatland, sondern empfinden die ganze Welt als die ihre.“ Hier zeigt sich deutlich, dass der Antisemitismus auch heute von einer Umwandlung des Ersehnten, wie etwa der Freiheit vom Arbeitszwang, zum Verhassten lebt und politisch mobilisierbar ist.
Gerade in Zeiten des Wiedererstarkens des antisemitischen Ressentiments ist es notwendig, die Kritik an diesem zu aktualisieren. Rolf Pohl unternimmt in seinem Vortrag eine Ergänzung des Ansatzes der Kritischen Theorie um neuere Erkenntnisse der Sozial- und Wahrnehmungspsychologie. Er wird zeigen, wie Antisemit*innen ein erfahrungsresistentes Feindbild konstruieren, wie der individuelle Wahn in der Volksgemeinschaft, in der er kollektiv ausgelebt werden kann, zu sich kommt und nicht zuletzt, wie der Antisemitismus auf eine krisenhafte Gesellschaft normalisierend wirkt, indem er diese in der Mobilisierung gegen einen imaginierten Feind zur Gemeinschaft vereint.

Rolf Pohl war Professor für Sozialpsychologie an der Universität Hannover. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören neben der Sozialpsychologie des Antisemitismus die Themen Männlichkeit, sexuelle Gewalt und Antifeminismus.

  1. Juni 2018 – DGB-Haus München – Raum TU07 – Schwanthalerstraße 64 – Eintritt frei, aber über Spenden freut sich jeder!

Für die Veranstaltung gilt folgender Einlassvorbehalt: „Die Veranstaltenden behalten sich gemäß Art. 10 Abs. 1 BayVersG vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtenden Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zuritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

 

Esoterik und Antisemitismus – Vortrag von und Diskussion mit Ansgar Martins

Esoterik und Antisemitismus sind wandelbare und in sich paradoxe Phänomene. Gemeinsam ist ihnen, dass sie in guter Gesellschaft als anstößig und abergläubisch gelten, während sie zugleich in genau dieser Gesellschaft zutiefst verankert sind. Esoterische Sinnsuche wie antisemitische Feindbestimmung mögen als archaisch und irrational erscheinen, es handelt sich aber um zutiefst moderne Phänomene. Sie müssen historisch, sozialpsychologisch und philosophisch auf ihre Eigenlogik hin untersucht werden, statt sie als bloßes Vorurteil – als Mangel an Information – abzutun.

Der Vortrag soll an ausgewählten Beispielen untersuchen, wie sich die esoterische Vorstellung von „höherem Wissen“ und die antisemitische Projektion zur Kippfigur zusammenfügen lassen: Bei vielen einschlägigen Autorinnen und Autoren stößt man auf ein jüdisch codiertes „egoistisches“ oder „materialistisches“ „Prinzip“, das „überwunden“ werden müsse, bevor die spirituelle Harmonie des Alls wiedererlangt werden könne. Besonders seit dem Ersten Weltkrieg finden Esoterik und Antisemitismus im verschwörungsideologischen Gerücht über finstere Mächte und Logen zusammen, die die Weltpolitik manipulieren.

Auch der „Reichsbürger“ unserer Tage erlebt die politisch-ökonomische Gegenwart („BRD-GmbH“) als Besetzung und Einkreisung in mehr oder minder explizit antisemitischen Sinne. Er versucht sich durch Zauberdokumente individuell immun zu machen: Pässe für Phantasiestaaten, die ihren Träger nicht zufällig gerade als „lebendigen, beseelten Menschen“ (o.ä.) ausweisen. Hier geht die esoterische Suche nach Überwindung des Niedrigen und Äußerlichen zugunsten des „wahren“ Selbst ganz praktisch mit Formen paranoider Politik zusammen. Märchen über die „okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus“ oder die Satanismus-Hysterie achtziger und neunziger Jahre zeigen aber auch, dass Esoterik selbst vielfach zur Projektionsfläche von und zum Vorwand für verschwörungsideologische und antisemitische Gerüchte wird.

Ansgar Martins ist derzeit Doktorand an der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

  1. März 2018 – 19.00 – 20.00 Uhr – DGB-Haus München – Raum TU07 – Schwanthalerstraße 64 – Eintritt frei, aber über Spenden freut sich jeder!

 

Was ist Antisemitismus? – Vortrag von und Diskussion mit Klaus Holz

Gegenwärtig steht einmal mehr der islamistische Antisemitismus und die Gewalt gegen Jüdinnen*Juden im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit – als wäre Antisemitismus ein Problem der Anderen, als wäre Antisemitismus erst in seinen gewalttätigen Konsequenzen skandalös. Tatsächlich aber ist der Antisemitismus tief in die Geschichte und Kultur der europäischen Gesellschaften als eine diese prägende ideologische Praxis eingeschrieben. Der Vortrag wird grundlegende Muster der antisemitischen Feindschaft vor und nach der Shoah, in religiösem wie säkularem Gewand herausarbeiten. Die diversen Spielarten des Antisemitismus haben einen gemeinsamen Kernbestand: Das antisemitische Judenbild dient der Profilierung eines kollektiven Selbstbildes, in dessen Zentrum Arbeit, Moral, Identität und Gemeinschaft einer imaginierten Wir-Gruppe stehen. Dabei wird sich auch zeigen, dass die rassistische Abwehr der „Fremden“ einen anderen Sinn birgt als die Abwehr des „jüdischen“ Geldes und Geistes.

Beginn 19.00 Uhr
Eintritt frei, Spenden gerne
Janusz-Korczak-Haus München, Sonnenstraße 8

Facebook: https://www.facebook.com/events/1976969179211747/

Teilnahme nur bei Anmeldung mit Vor- und Nachnamen möglich unter: anmeldung@ejka.org oder 089 3794 6640 oder hier auf Facebook per Zusage mit Klarnamen.

 

Heuschrecken, Gier und Weltverschwörung: Regressiver Antikapitalismus und das antisemitische Ressentiment – Vortrag von und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Nach unserer Gründnung vor ein paar Wochen laden wir euch zum ersten Vortrag des Bündnisses ein, unter dem Titel: „Heuschrecken, Gier und Weltverschwörung – Regressiver Antikapitalismus und das antisemitische Ressentiment“. Gehalten von Lothar Galow-Bergemann.

Je länger die weltweite ökonomische Krise dauert, desto beliebter sind einfache Erklärungen. Geht es gegen Banken und „die Finanzmärkte“, sind sich fast alle einig: Parteipolitiker, Gewerkschaften, Linke, Rechte, diverse Verschwörungsphantasten und wer sonst alles in Krisenzeiten das Wort ergreift. Alle miteinander halten sie “die Gierigen, die den Hals nicht voll genug kriegen” für die Verursacher der Krise. Auch manch vermeintlich radikaleR KapitalismuskritikerIn findet sich da in trauter Eintracht mit Finanzminister, Fernseher und Frau Meier wieder. Wenn es gegen die „Zirkulationssphäre“ geht, entstehen sonderbar anmutende Schulterschlüsse. Ein ebenso verbreiteter wie unreflektierter Bauch-Antikapitalismus verwechselt Gesellschaftskritik mit Wut auf „die da oben“, „Lügenpack“ und „Lügenpresse“.

Die Nationalsozialisten setzten „die Gierigen“ mit „den Juden“ gleich. Doch auch wer das nicht tut, kann sich in einer gefährlichen Nähe zum Antisemitismus befinden, ohne sich darüber im Klaren zu sein. Die Aufspaltung des kapitalistischen Prinzips in „produktives Kapital“ auf der einen und „das Finanzkapital“ auf der anderen Seite leistet einer Dämonisierung des Finanzsektors Vorschub, die letztlich auf antisemitische Stereotype zurückgreift. Blind dafür, was der Wahn vom “Kampf der ehrlich Arbeitenden” gegen die “Gierigen, die die Völker aussaugen” schon einmal angerichtet hat, sehnen sich viele nach einfachen Antworten. Das macht sie anfällig für allerlei Demagogisches und Autoritäres – ein auffälliger Kontrast zum allgegenwärtigen deutschen Credo, man habe aus der Geschichte gelernt.

Der Vortrag beleuchtet oberflächlichen und personalisierenden Antikapitalismus und behandelt Grundzüge einer reflektierten Kapitalismuskritik, die der Referent für dringend notwendig hält.

Lothar Galow-Bergemann war freigestellter Personalrat in zwei Großkliniken. Heute schreibt er u.a. in konkret, Jungle World und auf emafrie.de.

Für die Veranstaltung gilt folgender Einlassvorbehalt: „Die Veranstaltenden behalten sich gemäß Art. 10 Abs. 1 BayVersG vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtenden Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zuritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

  1. November 2017 – DGB-Haus München -Raum TU07 – Schwanthalerstraße 64

 

 

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