Selbstverständnis

Was in München bislang als Lücke klaffte, wird nun geschlossen: Wir stellen unser Linkes Bündnis gegen Antisemitismus vor. Von besonderer Notwendigkeit erscheint uns dieses Bündnis in und um der ehemaligen „Hauptstadt der Bewegung“ aus mehreren Gründen. Zum einen ist Bayern laut der Leipziger Mitte-Studie das Bundesland mit den meisten Zustimmungswerten zu Antisemitismus. Das zeigt sich auch in München, wo die AfD bereits einen Vortrag über die angeblichen Machenschaften des jüdisch-amerikanischen Unternehmers George Soros veranstaltete – und wo der ehemalige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer mit seinem ungarischen Amtskollegen Victor Orban zusammentraf, der von einer jüdisch-linken Verschwörung schwadroniert. Dass ausgerechnet die CSU, die seit 1957 ununterbrochen und beinahe ohne Koalitionspartner die bayerische Landesregierung stellt, Personen wie Orban hofiert und Bayern zum Land mit den höchsten antisemitischen Zustimmungswerten werden ließ, zugleich mit unglaubwürdiger Israelsolidarität hausieren geht, erscheint uns als besonderes Skandalon. Zudem droht mit der AfD eine Partei, die in den vergangenen Jahren für unzählige antisemitische Entgleisungen verantwortlich war, dieses Jahr in den Landtag einzuziehen. Daher sehen wir es als Notwendigkeit an, diese Zustände zu kritisieren und gegen sie anzukämpfen. Dies scheint uns am nachhaltigsten nur aus einer linken Perspektive möglich zu sein.

Doch muss sich unsere Kritik auch an unsere eigene Reihen richten. Antisemitismus grassiert auch in linken Kreisen, wenn man die Zusammenarbeit vieler Linker mit BDS bedenkt, die auch in München verschiedentlich aktiv ist. Und gerade in unserem Selbstverständnis als Linke – als Antifaschist*innen, Antirassist*innen, Kapitalismuskritiker*innen und Feminist*innen – sehen wir diesen Zustand als großes Problem an und sind entschlossen, dagegen vorzugehen.

Wie die CSU und die BDS-Kampagne lehnt die deutsche Mehrheitsgesellschaft Antisemitismus ab – ohne zu wissen, um was für ein Phänomen es sich dabei überhaupt handelt. Denn auch wenn die meisten Menschen gegen Antisemitismus sind, nahmen die Anschläge auf Synagogen, Friedhöfe und jüdische Mitmenschen in den vergangenen zwei Jahren zu. Auch München ist davon betroffen: So musste das israelische Restaurant Schmock aufgrund zahlreicher Anfeindungen schließen. Offenkundig besteht also eine Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit.

Aufgrund all dieser Entwicklungen der letzten Jahre sehen wir die Notwendigkeit, ein breites Bündnis linker Gruppen und Einzelpersonen aufzustellen, um den Antisemitismus nachhaltig zu bekämpfen. Dazu wollen wir uns regelmäßig treffen, um uns auszutauschen, Vorträge und Kundgebungen zu organisieren, aber auch Artikel zu veröffentlichen. Wichtig für uns ist es, eine breitere Öffentlichkeit für diese Thematik zu sensibilisieren und gegen Antisemitismus zu mobilisieren.

Wenn du Interesse hast, uns kennenzulernen und dich am Engagement gegen Antisemitismus zu beteiligen, dann sei nicht zu scheu, uns zu kontaktieren!
 
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