Pandemie trifft Klassengesellschaft. Reflexionen zur Corona-Pandemie, zur staatlichen Arbeitskraftbewirtschaftung und dem Gesundheitssektor (25.5.2022)

Es referieren und diskutieren: Nadja Rakowitz, Medizinsoziologin, Geschäftsführerin des Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte (vdää) und im Bündnis Krankenhaus statt Fabrik und Thomas Ebermann, Kabarettist und Publizist. Moderation: Dr. Julia Killet (Kurt-Eisner-Verein /Rosa Luxemburg Stiftung Bayern)

Inzwischen sind nach offiziellen Angaben mehr als 130.000 Menschen in Deutschland (Stand 4. April) an der Corona-Pandemie gestorben, einige hunderttausend Menschen dürften an Langzeitfolgen leiden. Aber wir müssen nach vorne schauen und mit dem Virus leben, lautet die Botschaft. Seit die Kapazitäten der Intensivmedizin zum entscheidenden Kriterium erklärt und die Inzidenz abgewertet wurde, gilt das Sterben in geordneten Bahnen als Maßstab für erfolgreiches politisches Handeln.

Manches Versäumnis, von der Schließung der Impfzentren bis zum kostenpflichtigen Testen, wird in den Talkshows thematisiert, aber immer nur als Vorspiel zur Pointe, dass es nichts bringe, über Fehler zu reden, sondern nach vorne geschaut und ohne parteipolitischen Zwist die nationale Kraftanstrengung gemeistert werden müsse. Der Impfstoffmangel in den Armutsregionen dieser Welt spielt sowieso keine Rolle, am Patentschutz wird nicht gerüttelt, gilt es doch, einer deutschen Firma, Biontech, eine überragende Position auf dem Weltmarkt zu sichern.

Die Corona-Pandemie ist keine Naturkatastrophe, sondern menschengemacht, weil die Wahrscheinlichkeit des Überspringens von gefährlichen Viren auf Menschen mit der Abholzung von Wäldern, massenhaftem Wildtierhandel und Massentierhaltung zusammenhängt. Das Virus trifft auch nicht alle gleichermaßen, sondern die ärmeren Teile der Bevölkerung überdurchschnittlich. Sie leben in engen Wohnungen, fahren mit öffentlichen Transportmitteln zur Arbeit oder verlieren ihre Jobs. Sie infizieren sich häufiger und sterben eher. Pandemie trifft Klassengesellschaft.

Wie die Pandemie staatlicherseits gehandhabt wird, was emanzipatorische Kräfte tun müssten und warum die Rückkehr zum Normalzustand keine Perspektive sein kann, darüber wollen wir mit Thomas Ebermann und Nadja Rakowitz an diesem Abend diskutieren.

Veranstalter*innen: DGB-Bildungswerk Bayern, Kurt-Eisner-Verein /Rosa Luxemburg Stiftung Bayern, Linkes Bündnis gegen Antisemitismus München, Mittwochsdisko Dießen, NaturFreunde Deutschlands-Bezirk München e.V.

Mittwoch, 25. Mai 2022, ab 19.00 Uhr, Lindwurmstraße 71.

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