„Durch Reinheit zur Einheit“. Burschenschaften und Antisemitismus – Vortrag von Bernhard Weidinger

Der Antisemitismus stand 1815/1817 an der Wiege der Burschenschaften und begleitet sie in veränderlichen Anteilen bis heute. War die burschenschaftliche Bewegung phasenweise Anziehungspunkt für progressive Juden, denen jüdische Emanzipation und deutsche Einigung Hand in Hand zu gehen schienen, agierten die völkischen Verbindungen um die Jahrhundertwende als Vorhut eines Rassenantisemitismus, der den Weg in das Vernichtungsprojekt des Nationalsozialismus wies. Auch nach 1945 konnte sich jedenfalls der traditionalistische Teil der Burschenschaften, organisiert in der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG) und zunehmend auch der Deutschen Burschenschaft (DB), nicht vom Antisemitismus lösen. Verantwortlich dafür war nicht zuletzt der Einfluss der österreichischen Burschenschaften als Hort der innerburschenschaftlichen Reaktion. Der Vortrag beleuchtet die wechselvolle Geschichte der Burschenschaften mit Fokus auf die Bedeutung des Antisemitismus, setzt diesen zum Deutschnationalismus völkischer Prägung in Beziehung und analysiert die heutigen Versuche einer Schönfärbung der burschenschaftlichen Geschichte (u.a. in Form der Instrumentalisierung jüdischer Mitglieder des 19. Jahrhunderts).

Gefördert von der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Montag, 1. März 2021, ab 19.00 Uhr per Livestream.

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