Offener Brief ans Backstage München bzgl. des Auftritts der Band Marduk

Sehr geehrter Herr Stocker,

am 2. Dezember werden bei Ihnen im Münchner Backstage die Bands Marduk und Eisregen auftreten. Aufgrund antisemitischer und rassistischer Aussagen einzelner Bandmitglieder von Marduk und ihrer Vernetzung mit der Neonaziszene kritisieren wir die Entscheidung, dieser Band in München eine Bühne zu bieten. Wir fordern Sie dazu auf, den Auftritt von Marduk abzusagen.

Zur Begründung: Erst 2018 gerieten Marduk in Kritik, weil geleaked wurde, dass die beiden Bandmitglieder Daniel Rostén (Gesang) und Fredrik Widigs (Schlagzeug, mittlerweile ausgestiegen) antisemitisches Propagandamaterial beim Online-Shop der nordischen rechtsextremen Partei „Nordic Resistance Movement“, die erst kürzlich in Finnland verboten wurde, gekauft haben. Zu den erworbenen Bücher zählen antisemitische, rassistische und holocaustleugnende Titel wie „Zionismus – Die verborgene Unterdrückung“, „Trotzdem, wirklich sechs Millionen?“ oder „Grundlagen der Rassenlehre – Eine Einführung“; darüber hinaus wurden Hunderte Flyer und Aufkleber gegen die „globale zionistische Elite“ gekauft. Die „Distanzierung“ von Marduk ist völlig unglaubwürdig, weil sie lediglich kurz und knapp Verbindungen und Einkauf bestreitet, ohne erklären zu können, wie die Namen der Bandmitglieder in die Daten des Online-Shops gelangt sind.[1] Desweiteren wurde geleaked, dass das Bandmanagement durch ihren Gitarristen Morgan Håkansson über eine Firma organisiert wird, die nach dem Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ genannt wird. Dazu passt auch, dass Marduk auf einer Tour im selben Jahr von der NSBM-Band Infernal War supported wurde.[2] Die Verbindungen zu Infernal War waren auch einer der Gründe, weshalb Sie sich 2019 dazu entschlossen haben, das Konzert mit Mgla und Deus Mortem abzusagen.[3]

Vor diesem Hintergrund erscheint auch das Spiel der Band mit faschistischer Ästhetik in einem anderen Licht als es Marduk selbst darstellt. Im Musikvideo zu „Viktoria“ von 2018 ist Rostén mit einem Button zu sehen, auf dem zwei überkreuzte Hämmer mit einem darüber liegenden Schwert zu sehen sind – das Symbol des NSDAP Gau-Ehrenzeichens Essen.[4] Das ist nicht länger als Ausdruck ausgeprägten historischen Interesses zu beurteilen, wie es die Band einem zu verkaufen versucht, sondern schlicht als Affirmation nationalsozialistischer Symbolik und Ästhetik. Gleiches gilt für ihre Hommagen an das Afrika-Korps im Song „Afrika“ von 2015, an SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich im Song „The Hangman of Prague“ von 2007 oder für Albumtitel wie „Panzer Division Marduk“ 1999, welche der Band schon seit über zwanzig Jahre Kritik einbringen und mittlerweile auch zu Konzertabsagen wie in Oakland 2017 geführt haben.[2]

Was die Support-Band Eisregen angeht, so hat es vor allem in Zusammenhang mit ihrem Album „Krebskolonie“ von 1998 Sexismusvorwürfe gegeben, die gar zu einer Indizierung führten; Hintergrund war der Song „Futter für die Schweine“, in dem Sex-Arbeiter*innen in Schweinefutter verarbeitet werden.[5] Eine Absage an diese Band würden wir daher auch nicht bedauern.

Kurzum: Bei Marduk handelt es sich um eine Band mit gestandenen Antisemiten und Rassisten und mit besten Verbindungen in die Naziszene. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen die extreme Rechte massiv mobilisiert und auch weite Teile der gesellschaftlichen Mitte erreicht, ist es ein Unding, ihren Unterstützer*innen eine Bühne zu geben. Wir fordern Sie dazu auf, die Veranstaltung abzusagen.

Mit freundlichen Grüßen,

Linkes Bündnis gegen Antisemitismus München

  • Grüne Jugend München
  • linksjugend [’solid] München
  • Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken München
  • Emanzipatorische Linke München

Antisexistische Aktion München

Jusos München

[1] Zum Verbot der Partei in Finnland s. https://www.krone.at/2235491; zu den Leaks s. https://www.vice.com/de/article/gymdy9/marduk-sollen-antisemitische-propaganda-gekauft-haben-die-band-bestreitet-das, https://www.facebook.com/MFGNOffizielleSeite/posts/1299838160118414, jeweils zuletzt aufgerufen am 23.10.2020.

[2] https://astralnoizeuk.com/2018/06/22/marduks-viktoria-is-the-latest-landmark-in-a-long-standing-pattern-of-far-right-sympathy/, https://www.metalsucks.net/2018/04/04/members-of-marduk-bought-nazi-propaganda-tied-to-national-socialist-party/ https://antiblackmetal.wordpress.com/2018/07/02/marduk-is-racist/, https://www.rockgegenrechts.org/watchblog/black-metal-konzert-mit-umstrittenen-bands/, jeweils zuletzt aufgerufen am 23.10.2020.

[3] https://lbga-muenchen.org/2019/04/25/offener-brief-ans-backstage-muenchen-bzgl-des-auftritts-zweier-rechtsradikaler-bands/, zuletzt aufgerufen am 23.10.2020.

[4] https://www.youtube.com/watch?v=3V1I9XyB4-E, https://de.wikipedia.org/wiki/Marduk_(Band)#cite_ref-Musikvideo_Viktoria_32-0, jeweils zuletzt aufgerufen am 23.10.2020.

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Krebskolonie, zuletzt aufgerufen am 23.10.2020.

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