Offener Brief an die Veranstalter*innen der Lisa-Fitz-Auftritte 2020 in München

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie der Homepage von Lisa Fitz zu entnehmen ist, tritt sie dieses Jahr an Ihren Veranstaltungsorten mehrfach mit ihrem Programm „Flüsterwitz“ auf. Aufgrund antisemitischer Äußerungen in der Vergangenheit und unglaubwürdiger Distanzierungen halten wir es für ein Unding, ihr weiterhin öffentliche Bühnen zu bieten. Wir fordern daher von Ihnen, sie auszuladen.

Zur Begründung: Im Januar 2018 zog Lisa Fitz öffentliche Kritik auf sich, als sie einen Song mit dem Titel „Ich sehe was, was du nicht siehst“ auf Youtube veröffentlichte. In diesem finden sich folgende Textzeilen: „Die Welt wird fieser und an wem mag’s liegen? / Ich bin umzingelt von Staatsmacht und Intrigen. / Es rafft noch mehr, wer großen Reichtum hat / und die Menschen neben mir, die werd’n nicht satt. / Der Schattenstaat, die Schurkenbank, der Gierkonzern, / Wer nennt die Namen und die Sünden dieser feinen Herrn? / Der Rothschilds, Rockefeller, Soros & Konsorten, / die auf dem Scheißeberg des Teufels Dollars horten.“ Reproduziert wird hier die Vorstellung einer im Hintergrund („Schattenstaat“) agierenden Weltverschwörung, die aufgrund moralischer Verkommenheit („Schurken“, „Gier“) und persönlicher Gewinnsucht („des Teufels Dollars“, ebenfalls „Gier“, „rafft“) für die Übel dieses Planeten verantwortlich zu machen ist („Die Welt wird fieser und an wem mag’s liegen?“).

Eine deutlich antisemitische Färbung gewinnen diese Zeilen durch die Identifizierung der „Schurken“ mit Rothschild, Rockefeller und Soros: Bei zwei von ihnen handelt es sich um Juden bzw. jüdische Familien. Die jüdische Bankiersfamilie der Rothschilds steht seit dem 19. Jahrhundert im Zentrum antisemitischer Hetze. Ähnlich wie im Falle Soros lautete der Vorwurf, sie würden zum Zwecke der Anhäufung von Geld über Krieg und Frieden in Europa bestimmen sowie Regierungen kontrollieren. Auf die „Juden der Könige“, wie sie damals genannt wurden, zielte auch der NS-Propagandafilm „Die Rothschilds“ von 1940 ab. Dieser Film wurde von Joseph Goebbels gemeinsam mit „Jud Süß“ und „Der ewige Jude“ gefördert und verbreitet. Diese antisemitische Tradition führt Lisa Fitz heute Seite an Seite mit Viktor Orbán und der AfD fort, die sich wie sie an der Person George Soros abarbeiten. In der aktuellen Antisemitismusforschung wurde bereits häufiger konstatiert, dass die Kritik an der Person Soros, so wie sie von der AfD, Orban oder eben auch Fitz betrieben wird, stark antisemitische Züge annimmt.

In der Vergangenheit hatten wir als LBGA bereits häufiger Auseinandersetzungen mit Lisa Fitz. Infolgedessen hat sie auch ein Statement in unsere Richtung verfasst, auf das wir hier nur knapp eingehen wollen. Wir halten ihre Distanzierung für eine reine Abwehrreaktion und aus verschiedenen Gründen für völlig unglaubwürdig. So vergleicht sie die Kritik an ihre Agitation mit der Diskriminierung der Jüdinnen*Juden durch den Nationalsozialismus: „Wird die (Meinungs-)Freiheit schon soweit eingeschränkt, dass man bestimmte Menschen ächten muss, so wie damals („Kauft nicht bei…. “)?“ Das stellt eine massive Verharmlosung der Leiden der jüdischen Bevölkerung durch das NS-Regime dar. Unsere Kritik stellt nämlich mitnichten eine Einschränkung der Meinungsfreiheit dar – so wenig wie die „Kauft nicht bei Juden“-Kampagne der Nazis lediglich Ausdruck beseitigter Grundrechte war. Allein dadurch, dass sich Fitz selbst mit dem Schicksal von Jüdinnen*Juden zur NS-Zeit in einen Zusammenhang bringt, disqualifiziert sie für jeden offenen Diskurs mit ihr.

Kurzum: Lisa Fitz ist in der Vergangenheit nicht nur mit der Verbreitung antisemitischer Propaganda im Sinne der AfD und in nationalsozialistischer Tradition auffällig geworden, sondern verfügt auch über beste Verbindungen ins Milieu der Querfront bis in die radikale Rechte – und relativiert und instrumentalisiert das Leid der jüdischen Bevölkerung zur NS-Zeit, um sich selbst als Opfer zu inszenieren. Dass ihr weiterhin verschiedene Bühnen in München geboten werden, ist absolut inakzeptabel. Wir fordern Sie daher dazu auf, sie wieder auszuladen.

Weitere Informationen finden Sie in unserem ausführlichen Artikel:

https://lbga-muenchen.org/2020/01/16/zu-lisa-fitz-und-ihren-fluesterwitz-veranstaltungen-in-muenchen-2020/

Mit freundlichen Grüßen,

das Linke Bündnis gegen Antisemitismus München (Grüne Jugend München, linksjugend [’solid] München, SJD – Die Falken München, Emanzipatorische Linke München, Antifaschismus-Referat der LMU)

 

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