Palästina Spricht München und der kleine Unterschied zwischen Islam und Islamismus

Am 1. August 2026 veröffentlichten Palästina Spricht (PS) München und Queer Resistance (QR) München gemeinsam eine Stellungnahme zum Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) sieben Tage zuvor.[1] Soweit bekannt, handelt es sich beim mittlerweile getöteten Attentäter um einen bekennenden Islamisten, der nicht nur in der islamistischen Szene Berlins verkehrte, sondern sich auch dem Islamischen Staat (IS) anschließen wollte.[2] In ihrem Statement verurteilen beide Gruppen den Anschlag und bekunden Opfern wie Angehörigen ihr Mitgefühl. Im weiteren Verlauf des Statements wenden sie sich gegen eine politische Instrumentalisierung des Anschlags zur Hetze gegen Migrant*innen und den Islam insgesamt. Schließlich kritisieren sie den Redebeitrag der zweiten Bürgermeisterin Münchens, Mona Fuchs, die bei der Mahnwache zum Gedenken an die Opfer des Anschlags diese Instrumentalisierung ebenfalls kritisierte und zur gemeinsamen Bekämpfung von Rechtsextremismus und Islamismus aufrief.[3]

Dabei unterstellen sie der Bürgermeisterin, selbst Teil der von ihnen allen registrierten Instrumentalisierung zu sein – weil sie es wagt, Islamismus anzuprangern. In den Worten von PS und QR: „Die Debatte jedoch auf den Islam bzw. den Islamismus zu verengen, birgt die Gefahr, antimuslimische Ressentiments zu verstärken, anstatt die tatsächlichen Ursachen von Radikalisierung anzugehen.“[1] Die anschließenden Bemerkungen zur Radikalisierungsprävention sind durchaus sinnig, doch irritiert hier, mit welcher Selbstverständlichkeit Islam und Islamismus einfach gleichgesetzt werden.

Der Islam ist eine Religion. Er ist nicht per se politisch. Im Unterschied dazu handelt es sich bei Islamismus um eine dezidiert politische Bewegung, die die Errichtung einer islamisch geprägten religiös-fundamentalistischen Gesellschaftsordnung anstrebt. Konstitutiv ist dabei eine grundsätzliche Ablehnung der Demokratie, da Politik nicht durch den Willen der Bevölkerung, sondern durch jenen Gottes legitimiert wird, als dessen Quasi-Exekutive sich die Führungskräfte der jeweiligen Organisationen sehen. Mit dem religiös-fundamentalistischen Charakter gehen auch verschiedene weitere patriarchale und menschenverachtende Ideologeme einher, insbesondere die Unterdrückung von Frauen, LGBTQIA+ und Andersgläubigen. Der Islamische Staat, dem sich der Berliner Attentäter besonders verbunden fühlte, die in Afghanistan regierenden Taliban oder die israelfeindliche Hamas sind Beispiele für islamistische Organisationen, die genau diese Ziele anstreben und dabei Jesid*innen, Jüdinnen*Juden und queere Menschen systematisch verfolgen. Mitunter führt das im Diskurs zu einer Vermengung von Islamismus und Faschismus, die antisemitische, antifeministische, antidemokratische und antiqueere Positionen teilen und zugleich militante wie gewaltfreie, demokratische Mittel nutzende Organisationen umfassen. Allerdings gibt es auch fundamentale Unterschiede zwischen Islamismus und Faschismus, da ersterer die Religion zum Dreh- und Angelpunkt seiner Ideologie macht, letzterer jedoch die Nation. Letztlich ist analytisch zwischen beiden zu trennen.[4]

Die von PS und QR angesprochenen antimuslimisch-rassistischen Diskurseffekte können aber nur entstehen, wenn man jeden Unterschied zwischen Islam und Islamismus leugnet – also genau das tut, was ironischerweise beide Gruppen selbst tun. Die AfD und große Teile der Union tun das auch, um ihren Antimigrationskurs zu befeuern. Mona Fuchs tut das ausdrücklich nicht und warnt genau davor, wird von PS aber dennoch mit AfD und Union faktisch auf eine Stufe gestellt, einfach nur, weil sie Islamismus benennt und kritisiert. Darin zeigt sich, dass es PS und QR gar nicht darum geht, Migrant*innen oder Menschen muslimischen Glaubens zu beschützen: Sie benutzen sie nur, um stattdessen vor allem Islamismus zu beschützen. Und das ist auch nur konsequent, wenn man wie PS sich in der Vergangenheit immer wieder mit der islamistischen Hamas solidarisiert und ihre antisemitischen Aktionen wie den Massenmord am 7. Oktober offen zelebriert hat.[5] Dass die Hamas in Gaza auch LGBTQIA+ systematisch verfolgt und hinrichtet[6], nimmt PS achselzuckend in Kauf.

Mit unserer Intervention richten wir uns denn auch gar nicht an PS, sondern an jene Linke, die immer noch glauben, es bei diesem Häuflein mit der Stimme des unterdrückten Palästina zu tun zu haben. Wir wundern uns dabei über die vielen Doppelstandards, die hier zutage treten. Viele Jahre haben Initiativen wie „München OEZ erinnern“ dafür gekämpft, den rechtsextremen und rassistischen Hintergrund des OEZ-Anschlags 2016 anzuerkennen, der Jahre lang von den Behörden und der bayerischen Regierung ignoriert und geradezu geleugnet wurde. Um Anschläge dieser Art in Zukunft zu verhindern, sind jedoch die ideologischen Hintergründe und personellen Netzwerke terroristischer Attentäter*innen zu benennen, aufzuarbeiten und zu bekämpfen. Das gilt für rechtsextreme wie für islamistische Anschläge. Wer Islamismus dethematisiert, erweist außerdem jenen vielen in Deutschland lebenden Migrant*innen einen Bärendienst, die gerade vor islamistischen Organisationen wie dem Islamischen Staat oder den Taliban nach Deutschland geflohen sind. Der Islamismus ist ein gemeinsamer Feind von Linken und Geflüchteten, kein Schutzobjekt und schon gar nicht ein Bündnispartner. Ebenso wie die aktuelle Bundesregierung ein Feind ist, die diese Geflüchteten abschieben und den islamistischen Regierungen Afghanistans und Syriens zum Fraß vorwerfen will. Mit ihrem Statement fallen PS und QR nicht nur LGBTQIA+ in den Rücken, sondern auch vielen Migrant*innen.

Zusammengefasst offenbaren PS und QR mit ihrem Statement, von Islamismus so wenig einen Begriff zu haben wie von Faschismus, Rassismus oder Antisemitismus. Im Falle von PS fügt sich das in ihre bisherigen Sympathiebekundungen für islamistische Organisationen wie die Hamas, die sich ideologisch vom Berliner Attentäter in keinem Punkt unterscheidet. Das Statement ist also nicht einfach Ausdruck politischer und intellektueller Inkompetenz, sondern einer gezielten Strategie zur Normalisierung einer so menschenverachtenden Bewegung wie dem Islamismus. Für Linke, queere Menschen, Flüchtlinge und Jüdinnen*Juden ist PS kein Verbündeter, sondern ein Feind.

[1] https://www.instagram.com/p/DbfiCLWASFs/?img_index=1, zuletzt aufgerufen am 01.08.2026.

[2] https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/csd-berlin-anschlag-tatverdaechtiger-100.html, zuletzt aufgerufen am 01.08.2026.

[3] https://www.sueddeutsche.de/muenchen/csd-anschlag-berlin-muenchen-mahnwache-pride-anteilnahme-marienplatz-li.3522089, zuletzt aufgerufen am 01.08.2026.

[4] https://www.bpb.de/themen/islamismus/dossier-islamismus/36339/islamismus-was-ist-das-ueberhaupt/#node-content-title-1, zuletzt aufgerufen am 01.08.2026.

[5] https://www.feierwerk.de/fileadmin/firm/Analysen___Recherchen/Feierwerk_firm__Analyse_Palaestina_spricht_2024.pdf?fbclid=IwY2xjawRtqJhleHRuA2FlbQIxMABicmlkETBvUjczMEZTRGRZaTh2UGlBc3J0YwZhcHBfaWQQMjIyMDM5MTc4ODIwMDg5MgABHhuzBsw0AAYw-AZXiZ_wnM4omkgdMOsJ-zIWpMmYbSXqp5-uXgugS3aDEdBW_aem_GWUMNG-hro5gNTMohXwoKw, zuletzt aufgerufen am 01.08.2026.

[6] https://www.amnesty.de/informieren/amnesty-report/palaestina-2020#section-18865307, zuletzt aufgerufen am 01.08.2026.

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