Nachtrag zum offenen Brief an das Backstage: Die Band Panzerfaust – kein Safespace für Rechtsradikale!

Kurz nach Veröffentlichung unseres offenen Briefs an das Backstage in München wurden wir auf die Band Panzerfaust hingewiesen, die sich am 17.04.2022 im Rahmen des „Dark Easter Metal Meetings“ die Bühne mit der rechten Band Marduk teilen wird. Nach unserer eigenen Recherche zur Band müssen wir unseren offenen Brief ergänzen: Erst im Januar dieses Jahres sympathisierten Panzerfaust offenbar mit den altright-beeinflussten Corona-Leugner-Protesten in Kanada. Zudem verbreitete die Band in der Vergangenheit Merchandiseartikel mit Anti-Antifa-Parole und dem Motto, dass die Metalszene „kein Safespace“ sei. Angesichts dieses Mottos fordern wir die Veranstalter*innen des Backstage dazu auf, endlich eine eindeutige Position zu einzunehmen: Kein Safespace, kein Raum, kein Fussbreit den Faschist*innen — nicht im Backstage und anderswo!

Im Folgenden bieten wir einen Überblick unserer Recherche zu Panzerfaust und liefern darin die Belege, die die Absage dieser Band so dringend machen.

Teilnahme der Band am „Freedom Convoy“ und ihr Statement 

Im Januar nahm die Band Panzerfaust am „Freedom Convoy“ in der kanadischen Hauptstadt Ottawa teil.[1] Nach einiger Kritik versuchte die Band mit dem bald darauf veröffentlichten Statement[2] ihre Teilnahme an diesem umstrittenen Protest in ein gutes Licht zu rücken: Weder sie selbst noch Teilnehmer*innen des „Freedom Convoy“ seien Rechte, sondern apolitisch bzw. normale Leute. Ihre Kritik an den Coronamaßnahmen und deren Konsequenzen für das alltägliche Leben formulieren sie innerhalb des begrenzten Narrativs einer Regierung, die die Medien und die Berichterstattung kontrolliere und verfälsche: „There have been concerted efforts by our politicians and by our national media entities to discredit this movement as ‚fringe‘, ‚extremist‘, and holding ‚unacceptable views‘. Nothing could be further from the truth.“[3]

Die nicht geringfügige Beteiligung Rechtsradikaler und von Verschwörungstheoretiker*innen soll also eine Lüge der Regierung und der kontrollierten Medien sein, um den „Freedom Convoy“ zu diskreditieren und zu delegitimieren. Dieses Denkmuster deckt sich weitestgehend mit den gängigen verschwörerischen Narrativen von alles kontrollierenden Regierungen, scheinhaften Demokratien und dem Kampfbegriff der Lügenpresse. 

Aber Medien und Politik seien nicht nur korrumpiert, sondern verfolgen damit unlautere Absichten, etwa die Herstellung einer „Gesellschaft der medizinischen Apartheid“ durch Impfzwang bzw. die Pflicht zum Nachweis des vollständigen Impfschutzes. Panzerfaust verzichtet im Kampf gegen die „autoritaristische Maskerade“ nicht auf Heldenrhetorik:

„We will not apologize for standing up to injustice. We will never accept a society of medical apartheid. We will not be fooled by authoritarianism masquerading as benevolence. We are free people. We will not bend. We will not cower. And although we may not be vindicated today, or tomorrow, know that there is iron in our words.“[4]

Hintergrund: Freedom Convoy — Corona-Leugner*innen in Kanada mit rechtsradikalen Verbindungen

Die kanadische Regierung verabschiedete im November 2021 die Nachweispflicht des vollständigen Impfschutzes für verschiedene Personengruppen, unter anderem Trucker*innen, bei Grenzübertritt von den USA nach Kanada, die im Januar 2022 in Kraft trat.[5][6] Aus Protest gegen diese Coronaschutzmaßnahme begannen sich im Januar kanadische Trucker*innen in Konvois zusammenzuschließen und schließlich die Hauptstadt mit ihren Trucks zu blockieren. Die Bewegung wurde maßgeblich von extremen Rechten, Impfgegner*innen und Verschwörungstheoretiker*innen unterstützt und initiiert.[7][8] Weiterhin ist die Bewegung stark nationalistisch geprägt. Bis zur polizeilichen Auflösung des Protestzuges im Februar gab es eine ganze Reihe von Geschehnissen, die zeigen, wessen Geistes Kind Teilnehmer*innen des „Freedom Convoys“ sind.[9][10][11]

Panzerfaust in der Vergangenheit: Kein Safespace & Anti-Antifa-Parole

In ihrem Statement bezüglich ihrer Teilnahme am „Freedom Convoy“ positioniert sich die Band als unpolitisch. Dass sie sich dennoch an einer — gleichwie einzuordnenden — politischen Protestaktion beteiligt, ist nur eine der Widersprüche zwischen Aussage und Handlung. Denn ein Foto aus dem Jahre 2018 belegt die Neigung der Band, mit rechtsradikalen, gewaltvollen und meinungseinschränkenden Parolen nicht bloß zu sympathisieren, sondern diese auch in Form von Merchandiseartikeln zu verbreiten. So lautet der Aufdruck eines ihrer damaligen Shirts „Re: Antifa — It pays to keep an open mind“. Der Spruch umrahmt das Bild einer Leiche mit Kopfschussverletzung und spricht damit für sich selbst. Ein anderes Motiv ziert der Spruch „This is not a fucking safespace“ und wird immer noch über einen der Bandshops vertrieben.[12]

In einem Interview vom Februar behauptet der Gitarrist Brock Van Dijk zwar, dass Faschismus eine der Band widersprechende „Idee“ sei. Schließlich sei das wichtigste und schützenswerteste Gut die Freiheit der Meinung und Rede sowie ihre Verteidigung, insbesondere gegen „jeden Mob oder eine moralische Mehrheit zu jeder Zeit und an jedem Ort“[13]. Wem Van Dijks Einstellung nicht gefalle, könne „eine Nummer ziehen, sich in eine Reihe stellen und mir den Arsch küssen.“[14]

Fazit

Panzerfaust ist als Band nicht weniger problematisch als Marduk, King Orgasmus One oder Frauenarzt. Das liegt an ihren Sympathien zu rechten und verschwörungsideologischen Positionen. Wir fordern deshalb auch ihre Ausladung.

1: https://www.instagram.com/p/CZUvNGGJ1Pg/, zuletzt aufgerufen am 04.04.2022.

2: https://www.facebook.com/photo?fbid=491131952460186&set=a.194029298837121, zuletzt aufgerufen am 04.04.2022.

3: ebd.

4: ebd.

5: https://www.canada.ca/en/public-health/news/2021/11/government-of-canada-announces-adjustments-to-canadas-border-measures.html, zuletzt aufgerufen am 04.04.2022.

6: https://www.canada.ca/en/public-health/news/2022/01/requirements-for-truckers-entering-canada-in-effect-as-of-january-15-2022.html, zuletzt aufgerufen am 04.04.2022.

7: https://jungle.world/artikel/2022/07/jesus-am-lenkrad, zuletzt aufgerufen am 04.04.2022.

8: https://www.spiegel.de/ausland/kanada-proteste-gegen-corona-impfmandat-die-trucker-und-die-rechtsextremen-a-fc52cac1-9c04-4e6a-a968-410ee07c1ed1, zuletzt aufgerufen am 04.04.2022.

9: https://globalnews.ca/news/8543281/covid-trucker-convoy-organizers-hate/, zuletzt aufgerufen am 04.04.2022.

10: https://www.thestar.com/news/canada/2022/02/07/nazi-flag-at-freedom-convoy-sparks-bill-to-ban-hateful-symbols-but-enforcement-is-seen-as-tricky.html, zuletzt aufgerufen am 04.04.2022.

11: https://www.derstandard.de/story/2000133342647/corona-proteste-in-kanada-aktivisten-doxxen-teilnehmer-des-freedom-convoy, zuletzt aufgerufen am 04.04.2022.

12: https://panzerfaust.bigcartel.com/product/this-is-not-a-fucking-safe-space-t-shirt, zuletzt aufgerufen am 04.04.2022.

13: https://www.metal1.info/interviews/panzerfaust/, zuletzt aufgerufen am 04.04.2022. Anm. LBGA: das Interview liegt auf Englisch vor: https://www.metal1.info/interviews/panzerfaust/?lang=english, zuletzt aufgerufen am 04.04.2022.

14: https://www.metal1.info/interviews/panzerfaust/, zuletzt aufgerufen am 04.04.2022.

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