Am 15. Februar 2025 fand in München die „Macht Frieden“-Demo des Querdenken-Spektrums statt, zu der bundesweit mobilisiert wurde und die wir hier dokumentieren. Von den Träger-Orgas stammt nur eine aus München: „München steht auf“, die in der Vergangenheit sowohl für die Verbreitung impfkritischer als auch antizionistischer Inhalte aufgefallen ist. Bei der Demo selbst beteiligten sich auch weitere Gruppen, wie wir zeigen werden. Wesentlich ist, dass es sich um eine typische Querfront handelt, die AfD-Anhänger*innen genauso einschließt wie „Linke“ und natürlich Antizionist*innen. Als Redner*innen angekündigt waren u. a. die prominenente Impfkritikerin Ulrike Guérot und Friedrich Pürner, MdEP für das BSW.
Viele Teilnehmer*innen machten aus ihren Sympathien für die AfD keinen Hehl, wie aus verschiedenen Stickern und Plakaten hervorgeht:



Trotz falscher Schreibweise dürfte mit „Sarah“ Sahra Wagenknecht gemeint sein. Sie teilt sich offenbar mit Alice Weidel mindestens einen Fan.

In der letzten Zeile heißt es: „AfD eine Chance, es geht um Krieg oder Frieden“.

Die blaue Flasche fehlt natürlich.
Die Beteiligung von Rechtsextremen zeigt sich nicht nur an den vielen offenen AfD-Sympathisant*innen, sondern auch an folgendem Plakat:

„Freiheit für Maximilian Eder“: Gemeint ist ein ehemaligen Bundeswehr-Offizier, der zu Pandemiebeginn oft an Querdenken-Demos teilgenommen hat und wegen der Beteiligung an einem geplanten Putsch der rechtsextremen „Patriotischen Union“ vor Gericht steht. Dabei handelt es sich um eine Reichsbürger-Gruppe um Heinrich XIII. Prinz Reuß, die auch verschwörungsideologische und antisemitische Inhalte vertritt (QAnon, Antizionismus) und im Dezember 2022 durch einen Umsturz die Demokratie beseitigen wollte.
Auch Trump und Putin haben hier ihre Fans:

Neben der AfD sind auch andere Parteien und Gruppen auf der Demo sichtbar vertreten: München steht auf, Die Basis und die Freie Linke:






Präsent waren auch Anhänger*innen von Medien aus dem rechtsextremen und linksverschwörungsideologischem Spektrum wie etwa Compact, Ken Jebsens apolut, NachDenkSeiten, LeuchtturmARD, Klartext und AUF1 (zu sehen auf dem zweiten Bild ganz oben).





Erstaunlich viele Teilnehmer*innen drücken in aller Offenheit ihren Antizionismus aus, indem sie Palästinafahnen schwingen oder eine Kufiya tragen (oder beides):






Der Inhalt folgendes Plakats könnte auch von einer beliebigen Demo von Palästina Spricht, Klasse gegen Klasse etc. stammen – findet sich aber tatsächlich einer Veranstaltung mit einem Haufen Rechtsextremen:

Abgesehen von Antizionismus wird Antisemitismus in Form von Chiffren artikuliert, nie jedoch offen. So werden auf diesem Transparent, das offen zur Zusammenarbeit zwischen Linken und Rechten aufruft, „Finanzgiganten (BlackRock)“ als Gegner angesprochen. Auf dem Blog von Mimikama heißt es dazu: „Bei BlackRock schwingt das Narrativ des ‚Weltjudentums‘ mit. Wir haben es also mit dem alten Mythos zu tun, dass Juden hinter den Kulissen die Weltherrschaft an sich reißen wollen, bzw. bereits heimlich die Welt kontrollieren.“

Auch die antisemitische Metapher der Marionette darf nicht fehlen:

Auf diesem Plakat wird behauptet, es gäbe mehr Schulden als Geld, weil der Zins bei der Geldschöpfung nicht miterschaffen wird. Die überschüssigen Schulden seien Zinsschulden und das Problem seien jene, die Zinsen erheben, also wuchern würden. Eine solche plakative Zinskritik geht im Kern auf den nationalsozialistischen Ökonomen Gottfried Feder zurück, der die „Brechung der Zinsknechtschaft“ zum Tiel hatte und diese auf jüdische Machenschaften zurückführte.

Auch eine angebliche Abschaffung des Bargeldes zählt seit einigen Jahren zu eine der beliebtesten Verschwörungstheorien der extremen Rechten:

Der Slogan „Nie wieder ist jetzt“ rekurriert auf den Schwur von Buchenwald und den Spruch „Nie wieder Faschismus“, der nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 aufkam, um sich mit der jüdischen Bevölkerung zu solidarisieren. Hier wird er also instrumentalisiert, um Stimmung gegen sämtliche Parteien außer AfD und BSW zu machen. Sowohl die Shoa als auch das Massaker der Hamas werden dadurch in einem Atemzug massiv relativiert:

Die Demo lief an einem Motorradfahrer vorbei, der folgende Transparente hochhielt:


Nicht nur wird hier der Aufruf zu einer Querfront zwischen Linken und Rechten wiederholt, sondern auch gegen „Eliten“ gehetzt, die als Parasiten diffamiert werden. Ursula von der Leyen als Symbol für die verhasste EU zählt ebenso dazu wie Bill Gates, der bereits während der Pandemie zum schlimmsten Feind der Querdenken-Bewegung stilisiert und mit zahlreichen Verschwörungsmythen umrankt wurde, sowie Klaus Schwab, Vorsitzender des World Economic Forum.
Folgendes Bild soll abschließend nicht nur die Präsenz der Impfgegnerschaft demonstrieren, sondern das generell vulgäre Niveau der Demoteilnehmer*innen:

