Am Samstag, den 9. Mai 2026, haben wir in unseren sozialen Medien – Bluesky, Facebook und Instagram – einen Post gesetzt, in dem wir eine offensichtliche Kooperation der Münchner Linkspartei mit der Organisation Palästina Spricht (PS) München kritisieren. Es handelt sich um einen Dreiecksständer, der zwei Plakate der Linkspartei und eines von PS zeigt:



Auf Facebook und Instagram – und in ähnlichem Wortlaut, aber wegen der begrenzten Zeichenzahl verkürzt auch auf Bluesky – kommentierten wir diese Plakate folgendermaßen: „Die Linke München teilt ihren Plakatständer mit Palästina Spricht München. Zur Erinnerung: Diese Orga fand zum größten Massaker an Jüdinnen*Juden seit der Shoa an 7/10 folgende Worte: ‚The aesthetic of the moment is overwhelming. Of course, celebrate this historical moment and fill yourselves with determination and joy over the oppressed victory.'“
Daraufhin kassierten wir auf Facebook einen Shitstorm, von dem wir einige Beispiele hier präsentieren und kurz kommentieren wollen.


Diese Person bestreitet faktenwidrig schlicht und ergreifend, dass PS jemals eine solche Aussage getätigt hätte. Auf seine legitime Aufforderung nach einem Beleg posteten wir die Broschüre der Fachinformationsstelle Rechtesxtremismus München (FIRM), die diese Aussage mit einem Screenshot der betreffenden Instagram-Story von PS belegt. Dann heißt es, das sei nur die Aussage einer Einzelstimme, worauf er beharrt, selbst nachdem wir darauf hinwiesen, dass es sich um den offiziellen Instagram-Account der ganzen Organisation handelt … Man spürt hier die „Grenzen der Aufklärung“: Auf Tatsachen lässt man sich nicht ein und dreht sie sich schlichtweg zu Recht. Auf Nazivorwürfe in unserer Richtung („Blockwarte der Staatsräson“) kann er dabei nicht verzichten. Unklar bleibt, welche Pädosexuellen bei der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) „aufgedeckt“ worden wären. Spielt er damit auf frühere pädophilie-freundliche Aussagen des jetzigen DIG-Präsidenten Volker Beck aus den 80ern an, die er mittlerweile revidiert hat? Tatsächlich wird Beck von rechtsextremer Seite bis heute immer wieder als Pädophiler diskreditiert, so 2023 vom AfD-MdEP Nicolaus Fest. Vielleicht handelt es sich auch um Anspielungen auf den US-amerikanischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, der wegen seiner jüdischen Identität mit der DIG assoziiert wird – und aktuell generell im Zentrum antisemitischer Agitation zur Veranschaulichung stereotypisch jüdischer Pädokriminalität steht. In jedem Fall liegt Aussagen dieser Art ein rechtsoffenes und antisemitisches Weltbild zugrunde.

Ein Fake-Account mit mutmaßlich falschem jüdischen Namen übertreibt hier nicht nur maßlos die tatsächlichen Opferzahlen im letzten Gazakrieg, sondern betreibt sekundären Antisemitismus: Er schlägt einen Bogen zum Holocaust, an dem die heutige Generation keine Schuld mehr trage – was auch niemand behauptet hat. Einen klaren Gedanken kann er auch auf unsere Erwiderung nicht formulieren. Anscheinend glaubt er, man könne wegen einer postulierten Kollektivschuld keine Kritik an Israel mehr üben. Obwohl es eigentlich darum ging, wie PS das Massaker von 7/10 zelebriert. Es geht also weder um den Nahostkonflikt noch um Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung, sondern in bester deutscher Tradition darum, Verantwortung für den Holocaust abzuwehren und sich von einem Schuldkomplex zu befreien.

Udi Raz ist demgegenüber tatsächlich jüdisch und eine bekannte Aktivistin aus der Jüdischen Stimme für Gerechten Frieden in Nahost, einem kleinen jüdisch-antizionistischen Verein aus Berlin. Dass ihr zu einer Organisation, die wie PS das Massaker vom 7. Oktober zelebriert, nichts Besseres einfällt, als sich zur Sprecherin einer fiktiven jüdischen Mehrheit aufzuspielen, verwundert nicht. Ihr Verein ist bekannt dafür, dieses Massaker unverhohlen zu feiern, seine Ausmaße herunterzuspielen und die sexuelle Gewalt zu leugnen.

Andere beschränken sich darauf, auf den Unterschied zwischen Antisemitismus und Kritik an Israel hinzuweisen. Als wäre die Zelebration eines antisemitischen Massakers an rund 1.300 Menschen Ausdruck einer Kritik an politischen Maßnahmen Netanjahus.

Hier wird die Zelebration eines antisemitischen Massakers in vulgärer Wortwahl zu einer Flatulation verharmlost.


Diese beiden User bezeichnen unsere Kritik als „zionistisches Rumgeheule“. Dass Mirco Schürcks in seinem Hintergrundbild eine Abbildung der bis heute in Neonazikreisen beliebte „Lebensrune“ verwendet, lässt unserer Auffassung nach auf ein rechtsextremes Weltbild schließen.



Zumindest von rechtsextremen Ideologemen beeinflusst sind die Posts dieses Users. In verschwörungsideologischer Manier wird darüber geraunt, dass zionistische Medien und Politiker*innen Deutschland kontrollieren würden. Dass jüdische Zionist*innen aus genetischen Gründen nichts in Israel zu suchen hätten, ist zudem blanker antijüdischer Rassismus.


Auf Instagram kommentierte ein User ein von uns gepostetes Reel und schickte uns auch eine Direktnachricht. Wir nehmen an, dass er über die Verbreitung unserer Kritik an den Plakaten von Linkspartei/PS auf uns aufmerksam wurde. Seiner Rhetorik nach hält er sich für einen linken Antifaschisten, reproduziert aber nicht nur antisemitische Bilder von krummen Nasen, die vor allem in der extremen Rechten kursieren, sondern artikuliert unverhohlene Morddrohungen in unsere Richtung.
Zusammengefasst braute sich da ein Shitstorm zusammen, den man guten Gewissens als Querfront bezeichnen kann: Rechte und Linke empören sich über unsere Kritik an der Kooperation von Linkspartei und PS – wobei sie nur durch Antizionismus geeint werden. Dabei ist von Tatsachenverdrehungen und Relativierungen über offen antisemitischer und rassistischer Hetze bishin zu Morddrohungen alles dabei. Angesichts der Menge an Kommentaren lässt sich von Einzelfällen kaum sprechen. Ist das wirklich das Publikum, dass die Münchner Linkspartei mit ihren Anbiederungen an PS abholen will?
