Sehr geehrte Damen und Herren,
Auf Ihrer Homepage werden die Auftritte der beiden Bands Severoth und Urgehal auf dem Dark Easter Metal Meeting 2026 abgekündigt. Wir kritisieren Ihre Entscheidung, diesen Bands eine Bühne zu bieten, und fordern Sie auf, ihre Auftritte abzusagen.
Bei Severoth handelt es sich um ein ukrainisches Ein-Mann-Projekt eines gleichnamigen Musikers, der seit 2023 als Bassist bei der ukrainischen NSBM-Band Kroda tätig ist.[1] Warum ist Kroda dem NSBM (National Socialist Black Metal) zuzuordnen? Das einzige dauerhafte Mitglied von Kroda seit Bestehen der Band, Sänger und Multiinstrumentalist Eisenslav, identifizierte sie in einem Interview mit Ruhrmetall von 2006 explizit als politisch und „arisch“: „Kroda is not just music! […] It is the resounds of terrible battle outcry of Aryan Warriors Allfadr and the raging roar of Aryan Archetype Wolfish Nature.”[2] In einem anderen Interview aus demselben Jahr mit Mortemzine bezeichnete er die Band auch stolz als aus “Ariern” bestehend: “So I’ll say: first of all, we are Aryans […].” Er beendete das Gespräch darüber hinaus mit den Worten: “Aryan Regards! WOTAN uber Alles!“ Der zweite Teil erinnert sicher nicht zufällig an die erste Strophe der deutschen Nationalhymne, die das Dritte Reich sich angeeignet hat. Aus diesem Grund war Kroda auch Mitglied des 1998 vom Neonazi und verurteilten Mörder Hendrik Möbus gegründeten Netzwerks „Pagan Front“, dessen Ziel es war, „den NSBM zu einem Teil der White-Power-Szene zu machen“, und ihn als „Quintessenz des hörbaren wiedergeborenen Nationalsozialismus“ begreift.[3] Gegenüber dem Mortemzine bezeichnete Eisenslav die Pagan Front stolz als „Hammer of NS Underground of Aryan Heathen Blood“. Das Bekenntnis zum Nationalsozialismus ist nicht nur oberflächlicher Chick, sondern hat auch spezifische ideologische Konsequenzen für Eisenslav: Auf die Frage, ob er an eine „global jewish conspiracy and parasiting on ‚forcefuls‘“ glaube, antwortet er bejahend: „Seems that only those who watch TV too much are able not to see it! It’s obious even for a blind man!“[4] Im Jahr 2016 traten Kroda auf dem weltweit größten NSBM-Festival, dem Asgardsrei-Festival in Kiew, auf[5]; auch mit vielen anderen rechtsextremen Bands gab es regelmäßig gemeinsame Konzerte[6].
Severoth ist zwar erst seit knapp drei Jahren Mitglied dieser Band und betreibt selbst ein unpolitisches Musikprojekt. Dennoch ist er Teil der rechtsextremen Szene, und als Bandmitglied einer Gruppe, die sich selbst offen als nationalsozialistisch und antisemitisch positioniert und sich ausdrücklich nicht nur als künstlerisches Projekt, sondern als politaktivistische Plattform begreift, für ihre Positionen und Aktivitäten mitverantwortlich. Zumal auch der einzige Versuch einer „Distanzierung“ der Band von rechtem Gedankengut im Zuge einer Auseinandersetzung mit Antifaschist*innen 2011 nicht sehr glaubwürdig ist: Man bezeichnet sich in offenem Widerspruch zu früheren Aussagen und zur Mitgliedschaft in der Pagan Front zwar als „unpolitisch“, bezieht sich aber weiterhin positiv auf den Arier-Begriff und auf die Swastika (!), deren nationalsozialistischer Bezug schlicht geleugnet wird.[7] Eine überzeugende Reflexion rechtsextremer und antisemitischer Aussagen und Vernetzungen sieht definitiv anders aus.
Aber auch Severoth selbst ist kein unbeschriebenes Blatt. Als einziges Mitglied betreibt er noch ein weiteres Musikprojekt namens „Morok“, das 2018 ein Split-Album mit dem Titel „Hedmark-Carpathian Spirit of Blood, Soil and Darkness“ herausgegeben hat[8]: Den positiven Bezug auf „Blut und Boden“ kennt man sonst auch vor allem vom Nationalsozialismus. Zudem veröffentlichte er zwischen 2015 und 2017 seine ersten drei Studioalben beim finnisch-polnischen NSBM-Label „Werewolf Promotion“, die noch 2017 nachweislich Teil der Pagan Front waren.[9] Der Labelbetreiber Lauri Penttilä unterhält auch ein Solo-Musikprojekt namens „Satanic Warmaster“[10], das 2006 den Song „Black Metal Death“ zur Compilation „Satanic Skinhead: Declaration Of Anti-Semetic [sic!] Terror“ beitrug[11], im 2001 veröffentlichten Song „Wolves of Blood and Iron“, das mit einem langgezogenen „Sieg Heil“ beginnt, davon singen, die „jewish creation“ (gemeint ist das Christentum) in Brand zu stecken[12], und 2005 den Song „My Dreams of 8“ veröffentlichen, dessen ursprünglicher Titel „My Dreams of Hitler“, eine Liebeserklärung an den „Führer“, zensiert werden musste[13]. Das ist nur eine willkürliche Auswahl des Schaffens Penttiläs.[14] Vorhandene „Distanzierungen“ bestehen ähnlich wie bei jenen Eisenslavs nur aus Beschimpfungen der Kritiker*innen und halbherzigen Abwehrreflexen.[15] Und über diese Plattform veröffentlicht der von Ihnen gebuchte Severoth seine Musik.
Ähnlich problematisch wie Severoth ist die norwegische Band Urgehal. In ihrem 1998 veröffentlichten Song „The Saturnine Denomination“ finden sich folgende aggressive antisemitische Textzeilen: „Wipe the jewish mess / Fucking zionist disciples / Semite rabid rabbi / I exceed excessive pain for you“.[16] Im 2009 veröffentlichten Song „Holocaust in Utopia“ gibt man sich subtiler, spricht nicht offen von Jüdinnen*Juden, auch wenn angesichts des Titels und des älteren Songs klar ist, dass sie gemeint sind, wenn es heißt: „I heard their lies / I witnessed apartheid / I saw their eternity / I hate them / I hate them / I hate them / I hate them!“[17] Der antisemitische Song „The Saturnine Denomination“ wurde übrigens auf dem Album „Massive Terrestrial Strike“ des deutschen NSBM-Labels „No Colours Records“ veröffentlicht, das neben den oben erwähnten Satanic Warmaster einschlägig bekannte Neonazi-Bands wie Graveland und Absurd (von Pagan-Front-Gründer Hendrik Möbus) unter Vertrag hatte.[18] Nur am Rande sei noch der 2009 veröffentlichte Urgehal-Song „Cut Their Tongue, Shut Their Prayer“ mit seinen Gewaltphantasien gegen Muslime erwähnt („Knives will rape your children / Mosques becomes tombs / Blood on the walls“); mit der Bezeichnung der Vulva einer muslimischen Frau als „syphilitic synagogue“ findet sich darin zudem ein antisemitischer Seitenhieb.[19] Die beiden offiziellen Urgehal-Mitglieder spielen zudem in der Band „Vulture Lord“, deren 2000 veröffentlichtes Album „Kill the Children of God“ mit einem „Prelude to the Second Holocaust“ beginnt.[20] Immer wieder findet sich in ihren Texten also ein aggressiver Antisemitismus in Form von Beschimpfungen von Jüdinnen*Juden oder als offene Zelebration der Shoa.
Zusammengefasst handelt es sich bei den beiden Acts Severoth und Urgehal um typische Vertreter des NSBM. Dafür sprechen zunächst ihre Verbindungen in die NSBM-Szene, da beide ihre Musik bei einschlägigen Szenelabels (Werewolf bzw. No Colours) veröffentlicht haben. Während Severoth selbst an sich unpolitisch ist, ziehen sich grobe antisemitische Tiraden durch das Werk von Urgehal. Das macht Severoth aber nicht weniger problematisch, da der Kopf dieses Projekts auch in der NSBM-Band Kroda tätig ist, die für offen nationalsozialistische und antisemitische Äußerungen bekannt ist. Aus diesen Gründen fordern wir Sie dazu auf, beide Bands von Ihrer Veranstaltung auszuschließen.
Mit freundlichen Grüßen,
das LBGA
[1] Vgl. https://www.metal-archives.com/bands/Kroda/35759, zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[2] https://web.archive.org/web/20070915052222/http://www.ruhrmetal-mag.de/interviews/index.php?page=show&id=23&oft=1, zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[3] Zur Pagan Front s. https://rechtsaussen.berlin/2015/03/satansmoerder-als-neonazi-netzwerker/, zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[4] https://web.archive.org/web/20111214201212/http://mortemzine.net/show.php?id=256&il=4, zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Asgardsrei_Festival, zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[6] https://www.thomasrammerstorfer.at/2011/05/30/schlachtrufe-arischer-krieger-neonazi-band-bei-metal-festival-in-reichenthalfreistadt/, https://www.doew.at/erkennen/rechtsextremismus/neues-von-ganz-rechts/archiv/juni-2011/black-metal-festival-mit-problembands, jeweils zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[7] https://web.archive.org/web/20110605082157/http://www.northern-lights-festival.com/Statement_Kroda, zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[8] https://www.metal-archives.com/bands/%D0%9C%D0%BE%D1%80%D0%BE%D0%BA/3540404240, zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[9] https://web.archive.org/web/20170220214850/http://www.thepaganfront.com/, https://www.metal-archives.com/albums/Severoth/Trilogy/1023188, jeweils zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[10] https://www.metal-archives.com/bands/Satanic_Warmaster/989#band_tab_members, zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[11] https://www.discogs.com/release/1110349-Various-Satanic-Skinhead-Declaration-Of-Anti-Semetic-Terror?srsltid=AfmBOoo12r57yBRCT4yrugSs76qeoRXrtoUs9sE7lUamlPkD4Qm4UEH_, zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[12] https://www.letras.com/satanic-warmaster/191308/deutsch.html, zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[13] https://www.metalkingdom.net/lyrics-song/satanic-warmaster-my-dreams-of-8-93759, https://www.last.fm/music/Satanic+Warmaster/_/My+Dreams+of+8, zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[14] Vgl. https://www.vice.com/en/article/satanic-warmaster-and-their-glasgow-controversy/, https://en.wikipedia.org/wiki/Satanic_Warmaster#Media_coverage_and_controversy, jeweils zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[15] https://www.facebook.com/werewolf.rex/posts/it-was-brought-to-my-attention-recently-that-after-22-years-of-record-label-acti/1368384803354598/, https://www.thenational.scot/news/14901718.band-linked-to-neo-nazis-play-secret-glasgow-gig/, jeweils zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[16] https://www.metalkingdom.net/lyrics-song/urgehal-the-saturnine-denomination-85903, zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[17] https://genius.com/Urgehal-holocaust-in-utopia-lyrics, zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[18] https://de.wikipedia.org/wiki/No_Colours_Records, zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[19] https://genius.com/Urgehal-cut-their-tongue-shut-their-prayer-lyrics, zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
[20] https://www.metal-archives.com/albums/Vulture_Lord/Kill_the_Children_of_God/32647, zuletzt aufgerufen am 28.12.2025.
