Der Muslimrat München veranstaltet am 9. Juni 2025 im Luitpoldpark eine „Eid-Feier“, ein Event zu einem religiösen Opferfest, das sich nicht nur an die Muslim*innen der Stadt richtet: Angekündigt sind zudem Grußworte von „Kirchenvertreter[n]“ und eines „Vertreter[s] der Stadt München“.[1] Bereits im Vorfeld hat das Fest eine Kontroverse ausgelöst: Die Fachinformationsstelle Rechtsextremismus München (FIRM) kritisiert die Beteiligung von Vertretern des Islamischen Zentrums München (IZM) und der Al-Ahibba-Moschee und von Influencern, die dem Islamismus nahestehen, in offiziellen Bewerbungsvideos für das Fest. Insbesondere die Verbindungen des IZM zu den Muslimbrüdern stehen im Fokus der Kritik. Der Bayerische Rundfunk (BR) griff die Kritik auf und konfrontierte auch den Muslimrat damit, der lediglich darum bat, „diesen Tag der ‚Freude nicht unnötig zu skandalisieren‘“.[2] Eine Distanzierung oder eine wie auch immer geartete „Richtigstellung“ wäre auch nicht zu erwarten gewesen, da die Kritik der FIRM schlicht valide und berechtigt ist.
Bereits im November 2023 kritisierten wir ein geplantes „Friedensgebet“ unter der Schirmherrschaft des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter, an dem neben Vertreter*innen der Kirchen und der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) auch die Beteiligung des Muslimrats angekündigt war. Zur Erinnerung: Wir thematisierten die Zusammensetzung des Muslimrats u. a. aus IZM, Al-Ahibba-Moschee, DITIB (Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion) und der Islamischen Gemeinschaft Millî-Görüş (IGMG). Die Verbindungen des IZM und der Al-Ahibba-Moschee zu den Muslimbrüdern sind insbesondere deshalb von Brisanz, weil die Hamas deren palästinensischen Zweig bildet und ihr Gründer Hasan al-Banna ein ausgewiesener Antisemit und Verehrer Hitlers war; gleiches gilt für den späteren Anführer der Muslimbrüder Yusuf al-Qaradawi, der zu Lebzeiten im IZM auftrat und nach seinem Tod von diesem öffentlich geehrt wurde. Nach dem 7. Oktober verfasste der Muslimrat zudem einen offenen Brief an Reiter, der u. a. von drei Personen mit Verbindungen zu den Muslimbrüdern unterzeichnet wurde. Der Dachverband von DITIB, die türkische Religionsbehörde Diyanet, zelebrierte wiederum offen den Pogrom; die IGMG verbreitete in der Vergangenheit ebenfalls rabiaten Antisemitismus und unterhält wie DITIB Verbindungen zu den rechtsextremen Grauen Wölfen.[3] Unsere Kritik führte damals zur Absage der Veranstaltung.[4]
Und nun startet der Muslimrat einen neuen Anlauf, um Islamismus mitsamt seiner antisemitischen Schlagseite in der Münchner Stadtgesellschaft zu normalisieren. Wie im November 2023 stehen auch diesmal Vertreter*innen der Kirchen und der Stadt auf der Matte. Nur die IKG ist aus offensichtlichen Gründen nicht angekündigt. Das erlaubt dem Muslimrat auch, seine politischen Positionen offener zu artikulieren. Angekündigt ist nämlich auch ein Infostand von Palästina Spricht (PS).[1] Nicht nur, dass die bundesdeutsche Abteilung den 7. Oktober als „revolutionäre[n] Tag, auf den man stolz sein muss“, bezeichnete und das größte Massaker an Jüdinnen*Juden seit dem Holocaust offen feiert: Auch sind sie und ihre Vorfeldorganisationen wie die University for Palestine München bzw. das Unikomittee München für Palästina mutmaßlich für Schmierereien an der LMU, an der TU und am Königsplatz verantwortlich. Neben bekannten Slogans wie „Free Palestine“ nutzten sie dabei immer wieder auch das rote Dreieck, das seit dem 7. Oktober von der Hamas und ihren Unterstützer*innen benutzt wird, um feindliche Ziele (hauptsächlich Jüdinnen*Juden, Israelis oder Zionist*innen) zu markieren.[5] Ein deutlicheres Symbol einer dezidierten Solidarität mit der Hamas – und nicht etwa mit der vom Krieg betroffenen palästinensischen Zivilbevölkerung, die seit Monaten gegen die Hamas auf die Straße geht – gibt es nicht. Mehr noch: Es handelt sich um eine eindeutige Gewaltandrohung. Gerade vor dem Hintergrund der (mitunter tödlichen) Mordanschläge in Washington und Boulder auf Jüdinnen*Juden und Israelis sind solche Drohgebärden nicht als harmlose Symbolik, sondern als reale Gefahr aufzufassen.
Umgekehrt unterminiert die Teilnahme von PS an einem Fest religiöser Fundamentalist*innen ihren eigenen Anspruch, progressiv, queerfreundlich und feministisch zu sein. So nahmen sie mit Palästina-Fahnen vom Straßenrand an der CSD-Politparade am 22. Juni 2024 oder an der Pro-Choice-Demo am 3. Mai 2025 teil – obwohl nach strenger islamischer Auslegung Homosexualität verboten und Abtreibungen bis auf Ausnahmefälle, in denen das Leben der Mutter gefährdet ist, ebenfalls verboten sind.[6] Sind Mitglieder von PS selbst vielleicht nichts anderes als religiöse Fundamentalist*innen und Islamist*innen?
Das Eid-Fest ist also nicht etwa ein friedliches religiöses Fest der in München lebenden Muslim*innen, sondern wird mit diesen Veranstalter*innen zu einer gezielten Selbstinszenierung islamistischer und unserer Auffassung nach antisemitischer Strukturen mit Sympathien und Verbindungen zu offenen Judenhasser*innen. Dass sowohl die Kirchen als auch die Stadt sich an diesem Prozess der Normalisierung von Islamismus und Antisemitismus beteiligen wollen, ist entschieden zu verurteilen. Wir fordern ihre Absage und Distanzierung.
Ergänzung: Wie sich herausgestellt hat, stammt das vom Eid-Fest angekündigte Grußwort durch eine Vertretung der Stadt von der Dritten Bürgermeisterin Münchens, Verena Dietl (SPD). Sie hat nun ein Grußwort per Videobotschaft versandt, das das Eid-Fest in seiner Instagram-Story veröffentlicht hat. Wir kritisieren diesen Vorgang massiv: Den Muslimrat mitsamt seiner islamistischen Verbindungen durch eine ranghohe Vertreterin der Landeshauptstadt dergestalt zu normalisieren, ist absolut inakzeptabel.
[1] https://muenchenfeierteid.de/, zuletzt aufgerufen am 06.06.2025.
[2] https://www.br.de/nachrichten/bayern/eid-fest-in-muenchen-zwischen-feier-und-vereinnahmung,UnAYIDs, zuletzt aufgerufen am 06.06.2025.
[3] https://lbga-muenchen.org/2023/11/04/zum-friedensgebet-des-muslimrats-am-6-november-2023/, zuletzt aufgerufen am 06.06.2025.
[4] https://lbga-muenchen.org/2023/11/06/pm-29-06-11-23-statement-des-lbga-zur-absage-des-friedensgebets-des-muslimrats/, zuletzt aufgerufen am 06.06.2025.
[5] https://lbga-muenchen.org/2025/01/21/dokumentation-der-schmierereien-der-pro-hamas-bubble-an-der-tum/, https://www.instagram.com/p/DHZBG1Ds6Mh/?img_index=1, jeweils zuletzt aufgerufen am 06.06.2025.
[6] Vgl. https://www.islamiq.de/2022/07/23/die-abtreibung-aus-islamischer-perspektive/ bzw. https://web.archive.org/web/20250318043702/https://zentralrat.de/14631_print.php, jeweils zuletzt aufgerufen am 06.06.2025.

1 Kommentar zu „Anmerkungen zum „Eid-Fest“ des Muslimrats am 9. Juni 2025 [ergänzt am 08.06.2025]“