Zur Einseitigkeit deutscher Nahostberichterstattung

Gerät der Nahe Osten durch eskalierende Gewalt wieder einmal in den Fokus der deutschen Medien, so zeigt sich jedes mal auch, dass das antiisraelische Ressentiment keine Randerscheinung der deutschen Gesellschaft darstellt, sondern tief in dieser verwurzelt ist. Wird etwa der Aufruf zum Mord an israelischen Zivilist*innen von Seiten der Tagesschau verharmlosend als „Aufstand der palästinensischen Araber […] gegen die israelische Besatzungsmacht“ [1] definiert, wird nicht nur der Grund für die existenzielle Bedrohung des jüdischen Staates und seiner Bürger*innen: der virulente Antisemitismus zum Verschwinden gebracht, durch eine solche Berichterstattung, bei der die Schuldfrage schon im Vorhinein geklärt ist, werden antizionistische und antisemitische Vorstellungen bedient und bestärkt. Wäre es gerade an deutschen Medien, über die Bedrohung des jüdischen Staates differenziert aufzuklären, bedient man sich stattdessen nicht nur der Verharmlosung von Terrorismus, sondern auch der verkürzten Darstellung der Geschichte Israels und aktueller Vorfälle im Nahen Osten, um das Motiv der israelischen Täterschaft zu bestärken: So werden etwa von der Tagesschau die wiederholte Ablehnung der Teilungspläne von arabischer Seite und die Versuche Israel militärisch zu vernichten wohlwollend ausgelassen, bis die Geschichte des Streites um Jerusalem wie eine Folge militärischer Aggressionen Israels erscheint [2] und ZEIT ONLINE betitelt einen Artikel mit „Tote und Verletzte nach israelischen Luftangriffen in Gaza“, um erst am Ende des Artikels anzumerken, dass den militärischen Schlägen gegen Standorte der islamistischen Hamas „eine Rakete aus dem Gazastreifen“ [3] voranging.
Dass es der Hamas, ihren Sympathisant*innen und allen Anderen, die heute wieder zur Intifada aufrufen nur insofern um Frieden geht, wie dieser die Vernichtung des Staates Israel einschließt, wurde dieses Wochenende auf diversen antiisraelischen Demonstrationen samt ihrer gewohnten antisemitischen Ausfälle wieder deutlich [4]. Auch München blieb gestern davon nicht verschont: Eine „Jerusalem-für-alle“-Demonstration, auf der Intifada-Rufe ertönten, Gegendemonstranten angegriffen und Plakate getragen wurden, die die Vernichtung Israels forderten, musste am Stachus schließlich aufgelöst werden [5].
Als Linkes Bündnis gegen Antisemitismus München positionieren wir uns gegen eine voreingenommene Berichterstattung bezüglich Israels, welche, sofern sie sich nicht selbst aus antisemitischen Ressentiments speist, Menschen Schützenhilfe leistet, die mit Rufen wie „Kindermörder Israel“ und „Tod Israel“ nochmals verdeutlichen, weshalb es auch heute des Staates Israels als Schutzraum für Jüdinnen und Juden bedarf.
Gegen jeden Antisemitismus einzustehen, muss auch Solidarität mit dem jüdischen Staat bedeuten.

[1] https://www.facebook.com/HonestlyConcerned/posts/1649265535155714

[2] https://www.facebook.com/photo.php?fbid=1765820883428922&set=a.392143034130054.98628.100000030836219&type=3&theater

[3] https://www.facebook.com/zeitonline/posts/10156047427684429?

[4] http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/30328

[5] https://www.facebook.com/projectcommunism/posts/795868387277886

 

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